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Doppelt
hält nicht immer besser
Umwelt:
Doppelhüllentanker erfordern neue Konstruktionsmethoden
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| VDI nachrichten |
19.03.2004, S. 18 |
Von M. Hollmann
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| Öltanker-Havarien
mit gravierenden Folgen für die Küstenregionen häufen
sich. Damit solche Katastrophen in Zukunft möglichst vermieden
werden, wurden neue Vorschriften für die Tankschifffahrt erlassen.
So müssen Öltanker bis spätestens 2015 mit doppelter
Hülle versehen sein. Doch die Schiffe werden damit nicht unbedingt
sicherer, warnen Experten. |
| Für Tanker
tickt die Uhr: Spätestens ab dem Jahr 2015 müssen sie mit
doppelten Böden und Wänden versehen sein. Während Politiker
glauben, damit ein Allheilmittel gegen Ölkatastrophen gefunden
zu haben, schlagen Ingenieure und Reeder leisere Töne an: Die
Doppelhüllentanker seien viel pannenanfälliger und riskanter
als zunächst vermutet. "Was uns am meisten sorgt, ist die
erhöhte Rostanfälligkeit", sagt Dragos Rauta, technischer
Direktor beim internationalen Branchenverband der Tanker-Reedereien,
Intertanko, in Washington. So bieten die Schiffe aufgrund ihrer verschachtelten
Bauweise weit mehr Angriffsfläche für Korrosion. "Doppelhüllentanker
weisen von Bug bis Heck eine zwei Mal bis drei Mal so große
Stahloberfläche auf wie Schiffe mit einfachem Rumpf", erläutert
Rauta. |
| Um den Rostfraß
zu blockieren, setzen die Werften heute in erster Linie auf Farbbeschichtungen.
Doch deren Lebenszeit ist - auch bei tadelloser Wartung - sehr viel
kürzer als die der Schiffe, die rund 25 Jahre zählt. "Leider
fallen die Problempunkte bei Doppelhüllentankern nicht so leicht
auf, weil sich die riesigen Hohlräume kaum besichtigen lassen",
so der Experte. |
| Die technischen
Prüfer der Klassifikationsgesellschaften, die die Pötte
jedes Jahr in kleinen Teams mehrere Wochen lang unter die Lupe nehmen,
müssen bei großen Einheiten bis zu 300.000 m² abkrabbeln.
Selbst kleine Risse können drastische Folgen nach sich ziehen,
wenn sie übersehen werden. Zwar müssen die Tanker nach neuesten
Bauvorschriften deutlich bessere Zugangsmöglichkeiten bieten.
Doch das gilt nur für Schiffe, die jetzt erst auf Kiel gelegt
werden. |
| Rauta hat festgestellt,
dass sich der Rostfraß auf Doppelhüllentankern zudem schneller
ausbreitet als auf herkömmlichen Schiffen. "Die chemischen
Prozesse werden durch die erhöhten Temperaturen beschleunigt,
die wir dort messen". So lagert das Öl in den doppelt isolierten
Tankern quasi wie in einer Thermoskanne. "Die Ladung ist während
der Reise im Durchschnitt 20 °C wärmer", so der Fachmann.
Das heizt auch die mikrobielle Korrosion an - eine besondere Spielart
von Rost, die Schiffswände in wenigen Jahren durchlöchert.
Die Bakterien, die meist mit der Ladung aufgenommen werden, lieben
Wärme. |
| Meist sind
die ersten Anzeichen von Korrosion an Kanten und Schweißnähten
zu beobachten. "Die Doppelhüllenschiffe weisen Zehntausende
solcher Schnittstellen auf, die genau beobachtet werden müssen",
meint John Lee, der als Schiffbau-Ingenieur in Liverpool an neuen
Wartungsmethoden für die Tanker tüftelt. Die Zahl der einzelnen
Elemente hat sich vervielfacht, weil die Werften bei der Konstruktion
dasselbe Bau-Schema anwenden - "nur in viel größerem
Stil". Danach werden die Stahlplatten, die den Rumpf bilden,
innenseitig mit Leisten und Gittern verschweißt. Diese Versteifungen
sorgen dafür, dass die Platten sich nicht biegen und verleihen
dem Schiffskörper die nötige Stabilität. Reißen
die Elemente wegen Rostfraß los, kommt die Statik der Frachter
ins Schwimmen. |
| Gesucht werden
deshalb neue einfache und robuste Baukonzepte, die die Zahl der Verbindungen
und Schweißnähte reduzieren. Eine Methode, die bereits
zum Einsatz kommt, ist das Sandwich-Plate-System (SPS) des kanadischen
Entwicklungsbüros Intelligent Engineering. Dabei werden zwei
relativ dünne Stahlplatten durch Kunststoff miteinander verbunden.
Die Polymerfüllung aus Polyurethan, die maschinell in die Hohlräume
gepumpt wird, verleiht dem Material große Festigkeit. Die Platten
sind so stabil, dass auf zusätzliche Versteifungen verzichtet
werden kann. "Die Zahl der stabilisierenden Elemente und Verschweißungen
wird auf einen Bruchteil reduziert", verspricht Entwicklungsingenieur
Martin Brooking. In den vergangenen drei Jahren hat Intelligent Engineering
30 Projekte bearbeitet und dabei 25.500 m² Fläche Schiffsstahl
durch rostärmere Sandwichplatten ersetzt. |
| Auch deutsche
Werften wie die Bremerhavener Lloyd Werft haben das Verfahren bei
Reparaturen und Umbauten eingesetzt. "Bislang beschränkt
sich unsere Arbeit auf einzelne Komponenten von Schiffen, wie etwa
bestimmte Decks", meint Brooking. Ziel der Kanadier ist es, bald
ganze Doppelhüllentanker nach der Sandwich-Methode zu bauen.
Die Reedereien können damit auch Geld sparen. "Wir kommen
mit erheblich weniger Stahl beim Schiffbau hin, weil wir auf viele
Elemente verzichten", so Brooking. Die Tanker weisen damit ein
geringeres Gewicht auf und können so auch mehr Öl laden. |
| Einhüllentanker:
Gnadenfrist |
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Öltanker mit einfachem Rumpf sollen nach den Katastrophen
der vergangenen Jahre bis 2015 ausgemustert werden. In einigen Regionen,
z.B. Europa, dürfen die Schiffe sogar nur noch bis 2010 fahren.
Reedereien investieren längst in neue Doppelhüllentanker.
Nach Angaben des Londoner Schiffsmaklerhauses Clarksons hatten Anfang
2004 bereits 1934 Tanker eine Doppelhülle - in Tragkapazität
gemessen sind das 59 % der Weltflotte. Ihr Durchschnittsalter betrug
5,9 Jahre. Den Experten zufolge verfügen die Werften weltweit
über Bau-Aufträge für weitere 891 Doppelhüllentanker.
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| Mph |
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Schlagwörter: Verkehr, Verkehrsmittel, Schiff, Schiffbau, Sicherheit,
Konstruktion, Doppelhülle, Werkstoff, Stahl, Werft, Deutschland,
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