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1 Hypertext
Hypertext ist der Begriff für einen Textkorpus, dessen
Elemente untereinander zu einem Netzwerk verbunden sind. Die
Verbindungen existieren als mögliche links, die der Autor als
Verbindungsglied zwischen Elementen setzt. Dem Leser begegnet
dieser Hypertext als Serie möglicher Texte, aus der er beim
Rezipieren einen auswählt, indem er eine Sequenz von links
verfolgt und dadurch Bezüge zwischen den ausgewählten
Textelementen herstellt. Computerisierter Hypertext entspricht in
dieser Struktur linguistischer Theorie und Literaturtheorie des
20. Jahrhunderts von Saussure bis Derrida. Neben diesen
Parallelen findet sich Hypertext als Strukturmerkmal des World
Wide Web (WWW).
Hypertext kann aufgrund seiner Strukturmerkmale eine Lernumgebung
zur Umsetzung gegenwärtiger fremdsprachendidaktischer Lehre
bieten (vgl.
Kapitel 2). Die Erstellung von Hypertexten könnte dabei
helfen, daß wesentliche Aspekte eines Lerngegenstandes in ihren
vielschichtigen Verflechtungen und Zuordnungen deutlich werden.
Dies kann geschehen, indem die einem Inhalt zugrundeliegenden
Strukturen durch hypertextuelle Darstellung explizit wahrnehmbar
sind. Als Hypertextautoren müssen die Schüler genau
spezifizieren, wie die Inhalte eines Lerngegenstandes voneinander
abzugrenzen sind, um sie auf den einzelnen Seiten, den web-pages
einer hypertextuellen web-site darzustellen. Weiterhin müssen
sie sich die Zusammenhänge zwischen verschiedenen
Themenbereichen verdeutlichen, um sinnvolle Verknüpfungen
zwischen den einzelnen Inhaltsgebieten aufbauen zu können. Die
didaktische Funktion von Hypertext ist dabei, als cognitive tool
zu dienen, als Werkzeug, um Lernstrategien zu aktivieren und
somit Lernprozese zu fördern. Da Hypertexteditoren-Programme
Lehrenden und Lernenden ein vergleichsweise leicht handhabbares
Autorenwerkzeug an die Hand geben, um Informationssysteme und
Lehrmaterialien als Hypertext selbst zu produzieren und zu
publizieren, können sie aus konstruktivistischer Sicht zur
wertvollen Unterrichtshilfe werden (Döring
1997). Auch kann durch Hypertext gewährleistet werden, daß
unterschiedliche Interessenlagen der Lernenden und ihre Deutungen
integriert werden können, da Hypertext durch seine
Netzwerkstruktur offen ist und kein Zentrum mit Hierarchien
vorgibt.