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Sicherung von Gruppenergebnissen
Die häufige Arbeit in Teams in der Unterrichtsreihe hat zur
Reflexion darüber angeregt, ob und wenn ja wie eine
Sicherungsphase von Teamarbeit im Plenum idealerweise aussehen
könnte. Anstoß dazu gab die zweite Stunde der Reihe, in der im
Anschluß an eine Teamarbeitsphase keine Sicherung im Plenum
stattfand. Das unbefriedigende Ende der Stunde veranlaßte für
die Planung der dritten Stunde den Versuch, eine angemessene Form
der Team-Ergebnissicherung im Plenum zu erreichen. Dazu wurde ein
Team zum Vortrag aufgefordert, exemplarisch für alle seine
Ergebnisse vorzutragen. Es zeigte sich aber, daß die Schüler
überfordert waren, aus einem exemplarischen Teamergebnis
Erkenntnisse auf die eigenen Teamergebnisse zu transferieren.
Konsequenter Weise wurde in der vierten Stunde eine alternative
Sicherungsvariante erprobt: Hier gab jedes Team eine
Kurzpräsentation ihrer Ergebnisse. Problematisch hieran erwies
sich die mangelnde Kompetenz der Schüler, Präsentationen
angemessen zu gestalten - Verständigungsprobleme und mangelnde
Aufmerksamkeit im Plenum waren die Folge (vgl. das Kapitel "Nötige Kompetenzen"). Als
Konsequenz kann festgestellt werden, daß der Inhalt einer
Teamdarstellung im Plenum möglicherweise teamübergreifende
Aspekte beeinhalten sollte, damit die Schüler einsehen, warum
das Wissen für sie Relevanz hat.
Angesichts der erfahrenen Schwierigkeiten, eine geeignete
Sicherung von Team-Ergebnissen im Plenum zu erreichen, könnte
die grundsätzliche Frage gestellt werden, ob die standardisierte
Phasierung von Unterricht, die eine Sicherungsphase für jede
Unterichtsstunde prinzipiell vorsieht, noch angemessen ist bei
Unterricht mit Team-Schwerpunkten. Wäre es nicht stattdessen
wünschenswert, die Schüler als Experten auf ihrem Team-Gebiet
zu spezialisieren; dann würden sie folglich nur die Ergebnisse
innerhalb ihres Teams sichern? Am Ende der Unterrichtsreihe
hätten aber die verschiedenen Teams den Roman unter
verschiedenen Kriterien gelesen; eine Leistungsüberprüfung in
Form einer traditionellen Klausur würde dann problematisch sein
- auch in diesem Bereich müßte dann nach angemessenen Varianten
gesucht werden. Auch aus gruppendynamischen Gründen speziell
dieser Lerngruppe erscheint eine Plenumsphase in jeder Stunde mit
Teamarbeit angemessen. Denn wie die Lerngruppenanalyse zeigte,
will die Lerngruppe als Gesamtheit angesprochen werden, und die
einzelnen Mitglieder sind an der Meinung der anderen
interessiert.
Möglicherweise hängen die Schwierigkeiten des Umgangs mit den
Teamarbeitsphasen auch mit der Häufigkeit zusammen, mit der in
Teams gearbeitet wurde. In zukünftigen Vorhaben sollten Plenums
- und Teamarbeitsphasen gleichmäßiger auf die Reihe verteilt
werden, eine Konzentration der Teamarbeit wie in dieser Reihe
sollte durch bessere Koordination vermieden werden. Denn auch in
produktionsorientierten Unterrichtsreihen, in denen
Teamergebnisse zentrale Bedeutung haben, sollte auf ein
ausgewogenes Verhältnis der Arbeitsformen geachtet werden (Wendt
1998:7).
Als Kompromiß zwischen einer Sicherungsphase von Teamarbeit im
Plenum und der Ausbildung von Experten, die von den anderen Teams
nur die Endprodukte sehen, könnte folgendes Vorgehen gelten:
Jedes Team bearbeitet in jeder Stunde/jedem Block ein anderes
Thema, so daß die Themen unter den Teams zirkulieren. Damit kann
vermieden werden, daß jedes Team den Roman unter anderen
Kriterien liest. Die Schüler würden dann ihr Wissen aus
unterschiedlichen Kontexten - den verschiedenen Themen -gewinnen.
Für den Umgang mit Hypertext würde ebenfalls ein positives
Potential erschlossen werden: die Schüler können nun beim
Aufbau des Hypertextes flexibler ihr Wissen an Vorhandenes
anknüpfen. Sie entscheiden, welches Wissen eines Themas mit
anderen Themen verknüpft werden kann, und welches Wissen eher
themenspezifisch ist. Damit erwerben sie die allgemeine
Lernstrategie, ihr Wissen situationsspezifisch anzuwenden und so
mit ihrem Wissen flexibel umzugehen. Gerstenmaier/Mandl
(1995:876) beschreiben diese Förderung der Anwendbarkeit von
Wissen mit dem Begriff "Dekontextualisierung" des
Wissens aufgrund multipler Kontexte und als Ziel
konstruktivistischen Unterrichts.