| So fing's mal an:
"Wie dies geändert werden könnte, war auf der Didacta auch zu erfahren. Ein Beispiel: Reinhard Donath, Englisch-Lehrer an der Nordseeküste, also ausgerechnet in der Provinz, wo sie am tiefsten ist, stellt in Düsseldorf eines der interessantesten Unterrichtsprojekte mit Computern vor, mit E-Mail, einer Verknüpfung von Computer und Telekommunikation. Nicht der Computer holt Simulation und Realitätsfremdheit in das Klassenzimmer, sagte Donath, sondern die herkömmliche Unterrichtsmethodik tue das. Da werden Dreizehn- oder Vierzehnjährige gezwungen, einen fiktiven Brief an einen fiktiven (englischsprachigen) Freund zu schreiben, was sie mehr oder minder lustlos tun. Das ist auch nicht anders zu erwarten. Sie tun es, weil sie es müssen, schließlich existiert der Brieffreund ja nicht. An eine nichtexistente Person kann man keinen Brief schreiben wollen (es sei denn im Zustand psychotischer Verwirrung). Was wäre also, so die naheliegende Überlegung des Pädagogen, wenn ein Lehrer die technischen Möglichkeiten nutzte, um gemeinsam mit den Schülern reale Brieffreundschaft mit realen englischsprachigen Schülern herzustellen, aber so, daß der Briefwechsel nicht jeweils Wochen in Anspruch nimmt? Donath brauchte dazu nicht mehr als einen Computer, ein Modem und einen Telephonanschluß. Im Rahmen eines E-Mail-Projektes des Goethe-Institutes in San Francisco nahmen er und seine Schüler elektronische Kontakte nach Kalifornien auf und wurden beispielsweise mit brandaktuellen Informationen über das Erdbeben in Los Angeles versorgt. Sie und ihre amerikanische Partnerklasse konnten dabei ihre Vorurteile korrigieren - sollte da einem deutschen Medienpädagogen nicht das Herz höher schlagen?"
Quelle: DIE
ZEIT - 10/1995
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