literamos 12             Literaturblatt der Menzel-Oberschule        





    Jessica Hinz    (Kartondruck)


          1.    Klaus Loscher:   DEUTSCHE DICHTER/INNEN IN DISTICHEN 9

          2.    Marc Gollnow: ICH GING DES NACHTS

          3.    Martin Vogt: ENTWURF EINER JOURNALISTISCHEN DOKTORARBEIT

          4.    Martin Vogt: VERGESSEN

          5.    Rena Dittberner: THE CASE

          6.    Lisa Hertel (Kartondruck)

          7.    Anne-Kathrin Lange: LEBENSFREUDE

          8.    Frances Golz: HERBSTSTÜRME

          9.    Ulrike Bürgel: DER NARR

        10.    Ulrike Bürgel: BEWÄLTIGUNG

        11.    Johanna Mehner: NACHDENKEN

        12.    Nicha Agostinho (Kartondruck)

        13.    Julia Marfutov: DAS PHOTO

        14.    Julia Marfutov: TRÄUMENDES BLÜMCHEN

        15.    Anne-Kathrin Lange: EINMALIG

        16.    Sarra Kebir: LOVE TO YOU

        17.    Margarete Heinze: SOMMERFERIEN IM SCHNEE

        18.    Pui-Chee Tang (Kartondruck)

        19.    Martin Vogt: DAS KONSTRUKTIVE STREITGESPRÄCH

        20.    Ulrike Bürgel: VAKUUM

        21.    Laura Willikonsky: ABEND




    Seitenende












     
    Klaus Loscher     (Ehemaliger Lehrer)


    DEUTSCHE DICHTER/INNEN IN DISTICHEN - FOLGE 9

    Unbekannt blieb, wer so vieler Recken höchst blut'ge
    Geschichte durch Wortes Macht zwang in des Verses Gestalt.


                 Wer ist gemeint?          Lösung!








     
    Marc Gollnow     (ehemaliger Schüler)



    ICH GING DES NACHTS


    Ich ging des Nachts spazieren
    durch Straßen und Alle'n.
    Dort war es wohlig düster,
    ich wollte nichts mehr seh'n.

    Es ward so totenstille,
    und finster blickten drein
    die grauen, kahlen Bäume
    im kargen Mondenschein.
    Ich hob nur eine Grube
    mit meinen Händen aus
    und legte meine Füße
    ins kalte Totenhaus.

    Ich schaufelte die Grube
    mit meinen Händen zu.
    Jetzt stand ich wie die Bäume
    in ew'ger Engelsruh'.

    Ich streckte meine Arme
    zum Mondenlicht empor
    und wiegte sie im Takte,
    im stummen Ästechor.

    Und viele and're kamen
    wie ich und pflanzten ein
    in harter, kalter Erde
    ihr Herz und ihr Gebein.

    Mein Schatz, in weiter Ferne
    des Nachts kannst du uns hör'n.
    Wir seufzen ja so bitter,
    wenn wir vor Schmerz verdörr'n.

    Es wird der Tag bald kommen,
    die andern steh'n allein.
    Doch leer wird meine Grube
    in Ewigkeit nicht sein.









     
    Martin Vogt     (Kurssystem)



    ENTWURF EINER JOURNALISTISCHEN DOKTORARBEIT


    Thema: Verborgenes Leben

    Das leere, unbeschriebene Blatt Papier ist ein hochwertiges Industrieprodukt, das aus maschinell verarbeiteten Baumstämmen hergestellt wird. Diese Art der Papierherstellung ist nur durch den organisierten Massenmord an pflanzlichen Lebewesen möglich ... den Bäumen.

    Sicherlich ist dies eindeutig eine negative Facette der Papierherstellung, aber stellen wir uns doch am besten mal die Frage, was denn die positive Seite dieser schimmernden Medaille ist. Zuvor hatten wir das leere, unbeschriebene Blatt Papier betrachtet, aber das ist ja noch nicht der Endzustand eines ”Papierblattlebens”, denn erst durch ein Schreibgerät oder eine druckerartige Maschine wird dem Blatt in Form von irgendwelchen Schriftzeichen, Bildern oder gar Fotos ein bestimmter Inhalt oder besser gesagt eine ganz konkrete Aussage übergeben.

    Als Merkzettel oder als Bildträger wird dem Blatt eher wenig ”Leben eingeflößt”, aber wie verhält es sich bei niedergeschriebenen Geschichten? Ich denke, dass uns nur der Beruf des Schriftstellers bei dieser Frage weiterhilft, denn schließlich ist er derjenige, der andauernd mit literarischen Figuren arbeitet, mit ihnen herumexperimentiert, sich aber vor allem mit diesen beschäftigt.

    Um mir Klarheit zu verschaffen, habe ich neulich den berühmten Schriftsteller Titus Tintenklecks aufgesucht, der in einem Haus wohnt, das in Form und Farbe einem riesigen Tintenfass gleicht und sogar zwei Türme besitzt, die an umgedrehte Lamy-Tintenpatronen erinnern. Wo sich dieses Gebäude befindet, ist streng geheim, denn ansonsten würden ihm die zahlreichen Fans quasi die Bude einrennen.

    Warum er gerade mir die Ehre einer Besuchsgenehmigung erteilte, werde ich später erläutern.

    Als wir nun am Nachmittag zu Tee und Kuchen im Gästezimmer seines Wohnturmes speisten, erzählte er mir begeistert von seiner schriftstellerischen Arbeit. Er berichtete mir von den zahlreichen Charakteren, die er unter Zuhilfenahme seiner Phantasie erschuf, denen er ein ganz spezielles Aussehen modellierte, Fähigkeiten und Macken verlieh und auch alles andere, was eine Figur so ausmacht, gestaltete.

    Natürlich kreierte er nicht nur Menschenwesen, sondern vor allem auch Phantasiewesen aller Art, egal ob es sich hierbei um giftgrüne, haushohe, menschenfressende Marsmännchen handelte, die aus einer Kreuzung von Wasserflöhen, Grünärgerkobolden und anderen undefinierbaren Arten des Hier und Dort entstanden sind, oder ob man als Leser mit melonengroßen Schicksalsperlen konfrontiert wird, die sich gegen eine Armee von schnappenden Miesmuscheln durch sogenannte Schicksalsvergeltungsschläge behaupten müssen.

    Sobald Tintenklecks von seiner schier unbegrenzten Phantasie beflügelt wird, bringt er kurzerhand die Figuren auf Papier, strickt eine spannende und humorvolle Handlung mit allem, was sonst noch dazugehört, darum, und schon hat er dem zuvor leeren, unbeschriebenen Blatt Papier Leben eingehaucht. Das Besondere ist hierbei allerdings die Art, wie er schriftlich mit den Worten hantiert, um alles so darzustellen, wie er es will und es dem potentiellen Leser gefällt.

    Eigentlich ist Herr Tintenklecks ein einsamer Vertreter der ”Lebenserschaffung-auf-dem-Papier-Theorie”, aber auch wenn er immer wieder von Kritikern und allen anderen Andersdenkenden kritisiert und attackiert wird, so gibt ihm sein Erfolg Recht. Während er begeistert erzählte, verschwand die Sonne am Horizont. Daraufhin schlüpften aus allen Ecken, Nischen, Möbeln und Gegenständen des Hauses, ja sogar aus dem Kamin, die unterschiedlichsten Phantasiewesen, die denen in Tintenklecks’ Büchern glichen und die unbeschreiblichsten Dinge taten. Nachdem er mir einen kleinen gedanklichen Einblick in seine literarische Arbeit gewährt hatte und wir zu Ende gespeist hatten, verabschiedete er sich von mir, da er sich wieder dem Erschaffen von Leben auf dem Papier widmen wollte. Zu guter letzt wollte ich noch erzählen, weshalb ausgerechnet mir die Ehre eines Besuchs zuteil wurde. Nun ja, bei meinem Besuch hat er mal eine Ausnahme gemacht, da ich erstens im Dienste der Wissenschaft unterwegs war und ich zweitens (Okay, irgendwann muss die Wahrheit mal ans Licht kommen) ebenfalls eine literarische Figur von Titus Tintenklecks bin, die zwar nur auf dem Papier wohnt, aber trotz allem lebt ... und zwar so lange wie das Papier, auf dem sie wohnt.









     
    Martin Vogt     (Kurssystem)



    VERGESSEN


    Wenn man lebt, so ist das Vergessen dort, wo man es nicht haben möchte.
    Wenn man nicht mehr lebt, so ist das Vergessen dort, wo es existieren kann.

    Wenn man aber das Vergessen vergisst, so vergisst man zumindest, dass man andere in der Vergesslichkeit vergessen hat.








     
    Rena Dittberner     (10b)



    THE CASE


    Susan Pitchman is a young lady lawyer, who has just finished her exams in law. To collect experience she works as assigned counsel. Her first case is not as easy as she wished it to be. Susan has to defend Jimmy Bangs, a young man who lives on the street. And all the facts seem to be against him. < Tomorrow will be my last chance to upset the case >, she thought on her way to visit Jimmy who was in detention on remand. She liked the young man, he was so natural, and money didn't matter for him. He was different compared to the other young guys she knew.
    Jimmy was already waiting for her .
    < Hello, Mr. Bangs. > Susan said.
    < How often do I have to tell you to call me Jimmy. I can't stand it when you call me Mr. Bangs > Jimmy replied.
    < I'm sorry Jimmy. I' m here because I would like to inform you about our situation. We are going to lose the case, if nothing happens. >
    < We, we are going to lose the case, are you sure? But I'm innocent! >
    Susan could see in his face that he was really shocked about that news.
    < Jimmy, I feel that we have forgotten something, please tell me your story again.>
    < Jimmy, > Susan stopped him, < is that the truth? Because people saw you in the underground, stealing a handbag from a blind old lady, Jimmy, they recognized you, please tell me the truth! >
    < Susan, I won't lie to you. > Jimmy added.
    It was the first time that Jimmy called her Susan and in that moment she was convinced that he was innocent.
    < Jimmy, your story is only plausible when you have a double, > Susan explained.
    Jimmy smile :< I am a twin, my brother is called Gordon Bangs. >
    Susan was surprised, she hadn't expected such an answer.
    < That are good news .Thanks for that information, Jimmy. We will meet tomorrow at the court. Bye. >
    Susan left the building with a smile on her face.
    The whole night she worked for the case. She was convinced they would win.
    In court she was quite nervous, she knew that she couldn't permit herself a mistake. Martha Rose, the plaintiff, had come with her guide dog to the court. Her lawyer called Jimmy Banks to the witness stand.
    < Mr. Banks, you are under oath, so you have to tell the truth. Is it right that you are sleeping rough in the streets? >
    < Yes, that's right. >
    < And is it true that you beg for money ? >
    < Yes, it's true. >
    The lawyer turned to the ju