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ÜBERBLICK Dan Gorenstein: Zweifel Linda Hildebrandt: Nur die Liebe Linda Hildebrandt: Ein Spiel Christian Reimann: Spiel René Schubert: Vorbereitung zur Flucht Dan Gorenstein: Der Mensch Dan Gorenstein: Müll schaufeln Dorit Slaby: Zu Gast Dan Gorenstein: Ungerecht TEXTE l Dan Gorenstein (Kurssystem) ZWEIFEL Die Luft ist raus, es hilft nichts mehr, sinnlos. Ich habe geschrieben, um zu erzählen, jetzt schreibe ich nur noch. Meine Ideen sind ausgebrannt, meine Gedanken wortlos. Wen kann ein ungeschminkter Clown schon beeindrucken? Man kann ohne Musik nicht tanzen. Mache ich gerade eine Pause, oder war das Schreiben nur ein Intermezzo? Schicksal oder Unbegabtheit? Wer ist begabt? Ich zweifle und hinterfrage, hoffentlich glaub' ich mir nicht! NUR DIE LIEBE Komm, kleiner Vogel, komm auf meine Hand, nimm dies Samenkörnchen von mir als Pfand! Nein, nur ein Korn darfst du haben, schüttelst du auch dein Gefieder. Verlang nicht mehr, als ich dir geben kann. Flieg nun fort! ... Doch komme wieder. Bist du mir auch treu ergeben? Meinst du alles, was du sagst? Gibt es auch in deinem Leben keine andre, die du magst? Liebst du mich? ... Dann darfst du gehen, denn nichts andres wollte ich. Ich wollte dir den Kopf verdrehen. Findest du mich widerlich? l Linda Hildebrandt (Kurssystem) EIN SPIEL Ein Glitzern in den Augen. Die zarte Kinderhand bewegt sich. Leise und sacht schiebt sie die Figürchen auf dem bunten Spielfeld hin und her. Ein helles Lachen auf den Lippen, die doch auch so vertieft murmeln, beratschlagen, ununterbrochen tüftelnd in Bewegung sind. Eine blondlockige Strähne fällt geradewegs auf das ausgebreitete Mosaik aus farbigen Kästchen mit den Ziffern drauf, schlängelt sich durch das kleine Labyrinth der Figuren. Die Mädchenhand greift nach einer dieser Figuren, will sie auf eine andere Stelle setzen. Leise knistert es zwischen ihren Fingerspitzen, und ein feiner Staub von zarten Farbtupfen rieselt zu Boden. Und erschreckt stellt das Mauml;dchen fest, daß es doch tote Schmetterlinge sind, mit denen es spielt. l Christian Reimann (Kurssystem) SPIEL Ich verstehe nicht, und wenn ich glaube zu verstehen, muß ich sehr schnell begreifen, daß mir mein Glaube auch diesmal wieder, oder gerade diesmal wieder, einen Streich gespielt hat. - Gespielt hat, ja es ist ein Spiel, in dem es nicht darum geht, zu begreifen. Es soll nicht verstanden oder gefragt werden - der Bauch, das Gefühl, dies sind die einzigen Regeln. Ein Spiel im Leben - ein Spiel zu leben, ein gefährliches Spiel; denn wenn man anfängt, sich Gedanken zu machen, hat man schon verloren. Und in diesem Spiel ist es nicht gut zu verlieren. Je mehr man in dieses Spiel legt, umso mehr lebt es; doch umso mehr läuft man auch auf den Abgrund zu, der alles beendet, jenes Alles, für das ich lebe. Dieses Spiel ist mein Leben, gerade da ich so viel hineinlegte. Doch ich spiele noch viel zu grandios, um zu verlieren - auf in die nächste Runde. VORBEREITUNG ZUR FLUCHT Ich will hier raus Mein Leben ist verbaut vorbestimmt gedimmt Ich will hier raus kein Raum zur Entfaltung kein Raum zur Gestaltung Ich will hier raus kein Alleinsein in riesigen Zimmern Kein Freisein ohne Wimmern Geleitet wird mein Leben von Gesellschaft, Eltern, Schicksalskraft. Doch hab ich allein die Macht hier rauszukommen? Es ist alles so verschwommen. Will ich hier raus? DER MENSCH Mit dem Menschen ist es wie mit dem Schnee: Auf den ersten Blick sieht er weiß, klar und unangetastet aus, doch mit der Zeit tritt er sich fest und wird zu einem grauen Schlamm. l Dan Gorenstein (Kurssystem) MüLL SCHAUFELN Schon als Kind habe ich Müll geschaufelt, als es hieß: "Was, deine Eltern lieben sich nicht?" Ich nahm meinen Spaten und schaufelte es weg. Dann wurde ich älter, aber nicht stärker, und so hieß es: "Du bist klein und dumm, wir wollen dich nicht!" Und wieder nahm ich den Spaten und ging schaufeln. Als die Liebe kam, Mann, da habe ich geschaufelt. Doch eines Tages saß ich in meinem Zimmer und vor mir lag der Müll. Da machte ich alle Schränke und alle Schubladen auf und stopfte den Müll hinein. Ich traute mich nicht mehr aus meinem Zimmer. Ich hatte ja den Müll zu bewachen. Ich aß, um zu überleben. Das Papier und die Reste stopfte ich weiter in die Schränke. Ich ging nicht mehr zur Schule, denn ich stank vor lauter Müll, und erst als die ganze Wohnung voller Müll war, da mußte ich vor die Tür. Da versteckte ich den ganzen Müll im Keller und ging vor die Tür. Ich hatte einen kleinen Beutel mit Müll in meiner Tasche, aber er war nicht zu sehen. Eines Tages besuchte ich einen Freund, und wir sahen fern. Als er Chips holen wollte, fiel ein wenig Müll aus der Nachttischschublade. Ich hob es auf und sah es an, da sagte er: "Ah, du hast meinen Müll gefunden, gefällt er dir?" Er zeigte mir noch mehr Müll und bot mir an, etwas davon mitzunehmen. Da holte ich meinen kleinen Beutel aus der Tasche, gab dem Freund ein wenig von dem Inhalt und stopfte seinen Müll hinein. Seitdem treffen wir uns jeden Donnerstag und tauschen unsern Müll. Dadurch, daß wir ihn hin und her schleppen, geht ein wenig verloren. Es ist zwar schade darum, aber dadurch haben wir weniger zu schleppen. ZU GAST Müde ist sie, nicht verlebt, Ideen viel sie in sich trägt. Nach langer Trauer nun erwacht, Hat gegen Zeit doch keine Macht. Weiß nicht, wohin sie soll, Graue Augen tränenvoll. Alte Lieder in sich summend, Alte Kraft in ihr verstummend. Weiß nicht mehr, was sie kann, Gefangen in der Vergangenheit Bann. UNGERECHT Ich brauch' dein Geld. Für dich sind es nur zwei Mark, für mich ist das ein neuer Tag. Ich brauch' dein Geld, jetzt gib es her! Warum fällt Geben dir so schwer? Ich nehm' es ein und fühl mich schlecht. Ist das jetzt etwa ungerecht? |
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