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                                Literaturblatt der Menzel-Oberschule Berlin-Tiergarten


    © Alle Rechte an den Texten liegen bei den Autorinnen und Autoren.
    Seitenende
    ÜBERBLICK

    Linda Hildebrandt: Lösche das Licht
    Dan Gorenstein: Farblehre
    Dan Gorenstein: Feierabend
    Dan Gorenstein: Der Falter
    Ebru Efe: Bildungslücke
    Marc Gollnow: Moral von der Vernunft
    Alexander Olejnik: Schönheit
    Alexander Olejnik: Facettenspiele
    Ebru Efe: Erinnerung
    René Schubert: Alles
    Markus Schüler: Module Markus



    TEXTE


     
    l  Linda Hildebrandt   (ehemalige Schülerin)

    LÖSCHE DAS LICHT

    Hab' vorhin ein Fenster offenstehen seh'n
    Zweite Etage, Zimmer vier
    Alleinstehende Frau, nicht gerade schön
    Hat viel Geld und besitzt kein Tier
    Brich' bei ihr ein, töte sie nicht und
    Wenn du gehst, dann lösche das Licht.

    Drei Türen weiter schlägt ein Mann seine Frau
    Kam von der Arbeit, war betrunken
    Sie rennt, will sich schützen, doch er schlägt sie blau
    Nun ist sie vor ihn hingesunken
    Schlag' ihn zusammen, töte ihn nicht und
    Wenn du gehst, dann lösche das Licht.

    Meines Bruders Mörder versteckt sich da oben
    Fünfte Etage, Zimmer acht
    Klopf' an, er hat 'nen Riegel vorgeschoben
    Und mach' nicht so laut, denn es ist Nacht
    Töte ihn, beraube ihn nicht und
    Wenn du gehst, dann lösche das Licht.





     
    l Dan Gorenstein   (Kurssystem)


    FARBLEHRE

    Grün, rot, schwarz,
    um beim Thema zu bleiben:
    Die Kaffemaschine ist kaputt,
    dabei ist noch so viel zu erledigen.

    Als ich einmal aufsah,
    des Nachts mit Ohrenschmerzen,
    habe ich stumme Tränen geweint.
    Nur die Standbylampe,
    die war grün
    wie das Meer.

    Ach, das Meer,
    es glitzert
    blau und grün
    und manchmal rot.
    Doch das soll mir egal sein,
    es stören nur die Fahrräder,
    die sind oliv.
    Ganz unten
    übrigens
    ist es schwarz.





     
    l Dan Gorenstein   (Kurssystem)

    FEIERABEND

    In einem Hund wühlt der Dreck von gestern Abend. Niemand geht eine schier unendliche Treppe hinab, eigens zum Beine-Vertreten. Der Mond blutet mal wieder, aber das kennt man ja. Dies ist das Los eines wackeren Kämpfers, ohne Frage. Übrigens ist auch der Rest gelogen, so daß es sich nicht lohnt, laut zu schreien: "Das ist nicht mein Feierabend!"





     
    l Dan Gorenstein   (Kurssystem)

    DER FALTER

    Eisiges Klirren in taubstummer Nacht,
    die Sonne verliert sich im Mond.
    Ein Kranker studiert seine Krankheit und lacht,
    er wird von dem Lichte verschont.

    Eisiges Klirren, ein Falter erwacht -
    Entdeckt, was dort unter ihm thront,
    vergisst jede Vorsicht, verspürt nur noch Macht
    und wird mit der Flamme belohnt,

    als taumelnder Sklave vom Lichte gebannt,
    erhaben geflogen und kläglich verbrannt. -
    Die Augen ganz müde, heißt jener es gut,

    dann streicht er ganz traurig dies Häuflein hinweg,
    es purzelt, es flattert, es landet im Dreck.
    So albern ist jedweder Übermut.





     
    l Ebru Efe   (Kurssystem)

    BILDUNGSLÜCKE

    Das Glas trennte die Laus von der Bildung.
    Das Licht konnte zur Bildung hindurchdringen, die Farben auch, und auch die Gefühle und der Wille, aber die Laus nicht. Sie stand draußen und wartete.
    Das undurchdringliche Glas schloss die Bildung in sich ein und hütete es vor der Laus, nicht vor dem Licht oder den Farben, sondern vor der draußen stehenden, wartenden Laus.





     
    l Marc Gollnow   (Kurssystem)

    MORAL VON DER VERNUNFT

    Einerseits,

    möcht ich tanzen,   (Alleine?)
    mich freuen, Dinge sehen,    (Hast du keine Augen?)
    mich gehenlassen im Strudel unendlichen Glücks,    (Oder Unglücks?)
    mich treiben lassen in Seligkeit,    (Schon mal jemanden dort gesehen?)
    lieben und ehren und gut sein,    (Nicht zu viele Aufgaben?)
    will ich reisen, Länder bestaunen und    (Das Geld?)
    ein netter Mensch werden,    (Wer hindert dich?)
    frohe Nachrichten hören,    (Kannst du die schlechten nicht abwarten?)
    verlangen nach Wärme und    (Wo bleibt die Kälte?)
    verlangen nach Erfolg,    (Worin denn?)
    verlangen nach einer besseren Welt.    (Jetzt gleich?)

    Andererseits,

    ist es besser, ich bleibe einfach hier sitzen.    (Recht so!)





     
    l Alexander Olejnik   (Kurssystem)

    SCHÖNHEIT

    Hier schaut sie zum Licht,
    es blendet sie nicht.
    Sie ist wunderschön;
    im Feuertanz sitzt sie daneben,
    ich sehe sie trotz Trance,
    unterbreche und setze fort.
    Sind sieben Umdrehungen ausreichend
    zur Bitte, ob sie mit mir
    den Rhythmus zu fühlen vermag?
    Ich will sie mit Sternen beschenken,
    Ich gebe ihr einfach den schönsten,
    meinen Lieblingsstern.





     
    l Alexander Olejnik   (Kurssystem)

    FACETTENSPIELE

    Zweifluchtpunktperspektiv
    setzt, ja setzt sich linear,
    die Linienführung ganz bizarr
    und doch getrennt vom Blickstativ.
    Doch schaust du über dich hinaus
    widerspiegelnd hinein,
    ist Ferne näher, als zu sein
    scheint der Blick zum Haus.
    Sehe kluge Mienen falten
    in Formpapier versunkene Augen,
    auf- und abblickend Texte saugen,
    abspeichern, siegeln, doch nicht schalten.
    Den eigentlichen Sinn der Führung
    nicht freiwillig aus dem eigenen und aufgeklärten Kopf
    heraus entschieden, das wär Schürung
    gesellschaftlicher Art, nicht Schritt zum erweiterten Schopf.





     
    l Ebru Efe   (Kurssystem)

    ERINNERUNG

    Ich erinnere mich
    Woran?
    Weiß ich nicht.
    Plötzlich keine Luft
    Es ist kalt
    Ich friere
    Mein Herz pocht
    Es kocht mein Blut
    Ich friere
    keine Luft
    Es ist weg
    Was war es?
    Erinnerung
    Woran?





     
    l René Schubert   (Kurssystem)

    ALLES

    Alles was ich jemals wollte
    Ist dir was bedeuten
    Alles was ich jemals fühlte
    Vereinigt sich in dir
    Alles was ich jemals suchte
    Fand ich nur bei dir

    Alles was ich sagen will
    Muss ich verschweigen
    Alles was ich dir zeigen will
    Muss ich verstecken
    Alles was ich tun will
    Muss ich verhindern

    Alles hat keinen Sinn





     
    l Markus Schüler:   (Kurssystem)

    MODULE MARKUS

    MODULE Markus;
    (*Programmierter Bauplan für die Erschaffung von Markus Schueler*)

    FROM Gott       IMPORT     GottWille, StartProcedure, EndProcedure, Bauplan,
                                       FehlerBauplan, WachsenNachBauplan;

    FROM Natur      IMPORT      AllgFehler, Umwelt, Zufall, Mutation;

    FROM Mutter     IMPORT      Haarfarbe, Mund, Augen, Koerperbau,
                                         Kreativitaet, Spontaneitaet, Unsportlichkeit;

    FROM Vater      IMPORT      Nase, Augenbrauen, Haende, Humor, Cholerik;

    FROM Eltern      IMPORT     Hautfarbe, GenFehler;

    VAR Geschlecht       AS      maennlich;

    VAR Gemuet           AS     freundlich, vorlaut, Quatschkopf, sozial,
                                       cholerisch, offen, phantasiereich;

    VAR Talente          AS      leicht musikalisch, Interesse am Schreiben;

    BEGIN

           IF Gott=true AND GottWille=positiv THEN

                  StartProcedure (4.2.1981);

                  IF AllgFehler=false THEN

                                 Bauplan       (Haarfarbe, Mund, Augen, Koerperbau,
                                                 Kreativitaet, Spontanitaet, Unsportlichkeit,
                                                 Nase, Augenbrauen, Haende, Humor,
                                                 Cholerik);

                                x:=1;

                  ELSE

                                Fehlerbauplan(Umwelt, Zufall, Mutation);

                                 Bauplan       (Haarfarbe, Mund, Augen, Koerperbau,
                                                 Kreativitaet, Spontanitaet, Unsportlichkeit,
                                                 Nase, Augenbrauen, Haende, Humor,
                                                 Cholerik);

                                 x:=2;

                  END;

                                 MarkusBauplan=(Bauplan+FehlerBauplan)/x;

           REPEAT
                                 WachsenNachBauplan (MarkusBauplan);

           UNTIL Markus = MarkusBauplan;

                  EndProcedure (6.11.1981);

                  END;

    END;

    END Markus.



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