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                                   Literaturblatt der Menzel-Oberschule     Berlin-Mitte          


    © Alle Rechte an den Texten liegen bei den Autorinnen und Autoren.
    Seitenende

    l  Lydia Günther (11. Klasse) - "Klammer"-Frau



    ÜBERBLICK


    Klaus Loscher: Deutsche DichterInnen in Distichen - 4
    Tilman Thiel: Geboren
    Tilman Thiel: Der Berg von Rosen
    Marc Gollnow: Romantisches Intermezzo VI
    Marc Gollnow: Siehst du einst des Nachts hernieder
    Marc Gollnow: Bekenntnis
    Anna Hohle: Sandstürme
    Anna Hohle: 5 Uhr im November - Version 2
    Antonia Putzger: Betrachtung
    Barbara Leder (Illustration)
    Mathias Puls: Sie!
    Mathias Puls: Bildung des kleinen Mannes
    Dan Gorenstein: Manchmal
    Dan Gorenstein: Knochenkönig
    Dan Gorenstein: Dämmerung
    Alexander Olejnik: Wunderschönes Zeitmoment
    Ramona Bühn (Illustration)
    Silke Brosinski Die Straßenpantomime
    Markus Schüler: Kernphase der Oberarmkippe am Barren
    Markus Schüler: Gespräch zweier Affen
    Eva Becker: Hexensuppe
    Margarete Heinze: Tim Köttelpeter
    Kenneth Seifert (Illustration)





    TEXTE


     
    l Klaus Loscher   (Lehrer)


    DEUTSCHE DICHTER/INNEN IN DISTICHEN - FOLGE 4

    Fast nichts verschont' seine spöttische Zunge; doch schmerzliche Liebe
    Zu Deutschland raubt' ihm den Schlaf nachts im Pariser Exil.
      
                 Wer ist gemeint?          Lösung!





     
    l Tilman Thiel    (ehemaliger Schüler)


    GEBOREN

    Ich weiß das Land um eine Rose reicher
    seit jenem Tag im März, da ich Dich sah,
    Dich blickte und den fernen Sommer fühlte,
    den zu ertasten meine Heimat blieb
    für Jahre, die mich lebten und mich froren,
    bis ich vor Kälte zu verbrennen drohte
    und Deine Hand ergriff, um nicht zu sterben.
    Du zogst sie milde fort und ließt mich leben;
    ich blickte in das Feuer, das verlohte,
    und ward in eine neue Welt geboren,
    die abermals mich in den Winter trieb,
    der sanft umfangend meine Seele kühlte,
    und deutete, der Frühling sei schon nah,
    auch sei das Land um eine Blüte bleicher.







     
    l Tilman Thiel    (ehemaliger Schüler)




    DER BERG VON ROSEN

    Kannst Du, Du bleiches Wort, den Berg von Rosen tragen,
    den tausendduftenden, den Berg aus Licht und Blut,
    den ich aus Traum gehau'n, derweil ich unbeschuht
    in kalten Nächten stand? Willst Du das Wagnis wagen?

    Du dürftest nicht ein Blatt aus einer Blüte schlagen,
    nicht eine Faser rühr'n, in der die Farbe ruht,
    und keinen Stern verweh'n. Hast Du dazu den Mut?
    Du dürftest auch am Weg, der lang ist, nicht verzagen.

    Du fragst, wo lang er führt. Ich weiß es selber nicht.
    Mal dachte ich, er sei der Schein vom Mondeslicht;
    ich glaubte einmal gar, dass er zur Sonne steige,

    doch sah nur: er zerbrach das tiefe Wolkentor.
    Ich spürte nur, er ist ... und führt zu ihrem Ohr.
    Wirst Du ihn gehen, Wort? Wenn nicht, dann, bitte, schweige.





     
    l Marc Gollnow    (Kurssystem)

    ROMANTISCHES INTERMEZZO VI
    
    Mich dünkt, ich müßte toben
    und rasen, wüten, schrei'n,
    denn ärmer wird mein Leben
    oh'n Dich, Du Ferne, sein.
    
    Und hätt' ich nicht verzaget,
    zu beichten meine Pein,
    vielleicht, ich bin fast sicher,
    säh' ich den Sonnenschein.
    
    Die Sonne scheint in Deutschland
    woanders, nur nicht hier.
    Doch möcht' ich Dir fast folgen,
    wüßt' ich, Du bliebst bei mir.
    
    Zugvögel flieh'n nach Westen,
    sie soll'n Dich grüßen dort.
    Und fragt Dich dann Dein Liebster,
    dann sag', du müßtest fort.
    
    Ich würde alle Zeiten
    Am Bahnhof harrend steh'n.
    Selbst bis zum Jüngsten Tage
    Könntst Du mich flehen seh'n,
    
    Mich dünkt, ich müßte handeln,
    schnell küssen Dein Gesicht.
    Doch bleibe ich hier sitzen,
    bekommst nur ein Gedicht.
    





     
    l Marc Gollnow    (Kurssystem)

    SIEHST DU EINST DES NACHTS HERNIEDER
    
    Siehst du einst des Nachts hernieder
    In die schwarzen Nebelgassen,
    Wirst du seh'n ein weiß' Gefieder,
    Fliegt empor und bringt dir Lieder,
    Die ich mühsam hab' erbrochen.
    viele Stunden, Tage, Wochen.
    
    Eines Nachts wirst du erschrecken
    In den schwarzen Nebelgassen,
    Werde ich vor Schmerz verrecken
    Und dir dann die Hand ausstrecken,
    Die ich blutgetränkt erhebe,
    Um zu zeigen, dass ich lebe.
    





     
    l Marc Gollnow    (Kurssystem)

    BEKENNTNIS
    
    Ich bin es leid, zu wachen
    An Türen von Recht und Moral.
    Ich werde ja leider nicht dümmer,
    Nur klüger, und hab' keine Wahl.
    
    Warum noch bewahren die Meinung,
    Für alles gerade zu steh'n?
    Viel einfacher ist doch, dem Freunde
    Den buckligen Rücken zu dreh'n.
    
    Und nirgends kann ich Glück empfinden.
    Ich werde ja doch nur wie die.
    Drum bleibt mir nur, Fusel zu saufen
    Und zu sinken in Melancholie.
    





     
    l Anna Hohle    (Kurssystem)



    SANDSTÜRME

    Sandstürme toben hinter dem Tor; das ist hoch und weiß und aus Kalkgestein. Und alles andere auch, das heißt: die Ruinen und Steine, die eingefallenen Torbögen und verstaubten Statuen. Das liegt doch alles seit Jahrtausenden hier; so still ist es jedenfalls, als ob. Aber hinter dem weißen Tor nicht, da sind nämlich die Sandstürme, zumindest glaube ich das, denn es wispert und weht und sieht aus wie ein Sturm; zumindest scheint es so. Lange genug habe ich ja gewartet und bin herumgeklettert auf den weißen Felsen und Ruinen, und manchmal zerfallen sie einfach - zu Staub. Ich glaube, da ist irgendwas in meinem Kopf - ich erinnere mich doch. War da nicht etwas was war das noch mein Kopf tut weh ich erinnere mich nicht. Die blasse Sonne an dem weißen Himmel trocknet alles aus, und alles, alles wird zu weißem Kalkstein - und ich will das nicht sehen. Aber vor ein paar Tagen habe ich ja das Tor gefunden - dahinter wehen und wispern tausend Stimmen - das höre ich doch. Tausend Sandstimmen, und ich bin ja auch schon viel zu lange hier. Aber jetzt habe ich das Tor gefunden, und dahinter ist Leben, und ich war tausend Jahre hier oder länger wahrscheinlich noch länger als tausend Jahre war ich die ganze Zeit über hier.




     
    l Anna Hohle    (Kurssystem)



    5 UHR IM NOVEMBER - VERSION 2

    Der Regen fällt wie ein undurchsichtiger Vorhang vom Himmel, und es ist dunkel und es ist kalt auf dem Bahnhof. Wir schauen in den Regen und warten und warten ab, und die Bahnhofsuhr steht auf 5 Uhr. Ich glaube, wir hoffen alle, daß der nächste Zug endlich ankommt, aber irgendwie hoffen wir auch, daß es aufhört zu regnen. Ich hoffe das jedenfalls. Ich glaube, viele andere hoffen das auch.
    Eigentlich regnet es schon immer. Ja, der Regen gehört irgendwie dazu. Ich kann mich nicht erinnern, daß es irgendwann nicht geregnet hätte. Aber ich erinnere mich schon daran, daß ich den Regen mal vergessen hab'. Das ist gar nicht so lange her, im Frühling oder im Sommer, auf jeden Fall schien die Sonne, so hell, daß es uns geblendet hat, und durch die helle, flirrende Sonne hat man den Regen immer noch gesehen, man hat ihn nur vergessen nach einer Weile. Aber jetzt ist er wieder da, und wir werden alle naß und stehen hier am Bahnsteig rum und warten. Wie viele Züge fahren hier, ziemlich viele. Jetzt sehe ich, daß du mich anschaust. Ich kann dein Gesicht gar nicht richtig sehen, aber es kommt mir so bekannt vor. Vielleicht können wir ja den nächsten Zug verpassen und von hier weggehen. Ich glaube fast, dann würde es aufhören zu regnen.




     
    l Antonia Putzger   (Kurssystem)



    BETRACHTUNG
    Milchig das abgestandene Wasser
    in der billigen Glasflasche,
    Tränen geweint vor langer Zeit.
    
    Noch verweigern staubige Blütenblätter
    die Verblassung des Rots,
    eines Rots gleich eingetrocknetem Blut
    auf alten Laken,
    gleich sprödem Lippenstift
    auf dem faltigen Mund einer alten Frau.
    
    Und hat sie auch all ihre
    lebendige Blumenfrische verloren,
    so ist sie dennoch eine Rose,
    erstarrt im Stolz, noch im Sterben
    die saftlosen Blätter festhaltend;
    und ihre Dornen bewahrten die Schärfe wohl.
    





     

    l Barbara Leder   (11. Klasse) - "Klammer"-Brücke (Ausschnitt)






     
    l Mathias Puls   (Kurssystem)


    SIE!
    Du, das Mysterium, welches ich ersehne,
    Du, das Bild, welches mir in meine Träume folgt,
    Du, das Wesen, welches seinesgleichen sucht!
    
    Du, die du bist so nah,
    Du, die du bist mir so fern!
    
    Du, die du bist so,
    dass mein Geist
    dich nicht
    in Worte
    fassen kann.
    





     
    l Mathias Puls   (Kurssystem)



    BILDUNG DES KLEINEN MANNES
    Klein ist der Mensch,
    wider all seiner Größe.
    Erdrückt röchelt er ringend
    nach den Spuren seiner selbst,
    um sich selbst zu erhöhen.
    
    Vergebens sind seine Handlungen,
    denn seine erreichte Größe
    ist nur seine Illusion.
    Besessen ist er von seinem Trug,
    da er meint, er sei wahr.
    





     
    l Dan Gorenstein    (Kurssystem)



    MANCHMAL
    Manchmal jagen mir die Reime
    durch den Kopf wie Ungeziefer.
    Manchmal fühl' ich mich alleine,
    und dann sink' ich immer tiefer.
    Manchmal reiß' ich meine Ohren
    auf und hör die Welt mir an.
    Manchmal fühl' ich mich verloren,
    so daß ich nicht atmen kann.
    Manchmal lächle ich und singe
    von der guten alten Zeit.
    Manchmal hasse ich die Dinge,
    fühl' mich mit der Welt im Streit.
    Manchmal lieb' ich meine Freunde.
    Manchmal wünsch' ich alle weg.
    Manchmal möcht' ich sagen manchmal,
    manchmal ist nicht alles Dreck.
    





     
    l Dan Gorenstein   (Kurssystem)



    KNOCHENKÖNIG
    Weit hinter den Erdbeerhainen,
    tief in unbewachs'nem Tal,
    liegt verschüttet unter Steinen
    Knochenköni