literamos   9/02

Literaturblatt der Menzel-Oberschule Berlin-Mitte

Die Rechte an den Texten liegen bei den Autorinnen und Autoren.
 1.     Klaus Loscher: Deutsche DichterInnen in Distichen - 6


 2.     Klaus Loscher: Bänkelsangeinlagen zur Jubiläumsrevue


 3.     Claudia Wolff: Zur Arbeit an der 3. Szene der Jubiläumsrevue


 4.     Theater-AG: 3. Szene der Jubiläumsrevue


 5.     Antonia Putzger: Das Balkonzimmer


 6.     Anna Hohle: Das Balkonzimmer


 7.     Alexander Olejnik: Hip Hop Life


 8.     Sarah-Sophie Bähr: You Are


 9.     Wasiem Ramadan, Lucas Sawallich: Das Wandern ist des ...


10.    Tilman Thiel: Kein Frühling


11.    Eva Becker: Ach, meine kältische Liebe


12.    Lionel Ratajczak: Der Spatz und der Hahnr

 
 


Seitenende




 
Klaus Loscher     (Lehrer)


DEUTSCHE DICHTER/INNEN IN DISTICHEN - FOLGE 6

Ein märchenhaft einiges Paar von Brüdern, romantische Väter
der Germanistik, berühmt sind sie als Sammler bis heut.

             Wer ist gemeint?          Lösung!

 
Klaus Loscher     (Lehrer)



DEUTSCHE DICHTER/INNEN IN DISTICHEN - FOLGE 6

Frühen Ruhm erwarb er mit eigner Familie Geschichte,
damals schon war sein Problem: Bürger und Künstler zu sein.

             Wer ist gemeint?          Lösung!



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Klaus Loscher     (Lehrer)



BÄNKELSANGEINLAGEN ZUR MENZEL-REVUE


1. Auftritt - Kaiserreich    (vor Szene 1)

 

Hoch im Glanze seiner Blüte

stand der Deutschen Kaiserreich.

Jugendlich war das Jahrhundert,

Wilhelm thronte göttergleich.

 

Zu ’nem Plätzchen an der Sonne

strebt’ man hoch auf Weltniveau!

Immer größer wuchs die Hauptstadt,

Moabit wuchs ebenso.

 

Nötig wurd’ ’ne neue Schule;

schnell gezogen in die Höh’,

wie ’ne Ritterburg, so ragt’ sie

stolz am Ufer links der Spree.

 

Realschule Nummer dreizehn

nannt’ man sie schlicht bürgerlich;

neunzehnhundertzwanzig erst

lieh sie Menzels Namen sich.

 

Gar nicht billig war das Schulgeld,

trotzdem zog es viele hin;

Uniform war Pflicht für Schüler,

Hauptfach war die Disziplin.

 

Wie in jeder Jungenschule

wurd’ auch hier ganz ungeniert

für ’nen Krieg Kanonenfutter

damals reichlich produziert.

 

2. Auftritt –  Weimarer Zeit

 

Im August des Jahres vierzehn

zogen diese Jungs ins Feld,

um fürs Vaterland, das teure,

sich zu schlagen wie ein Held.

 

Viele starben sehr erbärmlich,

ernüchtert kehrten viele zurück;

trotzdem sind vom Heldenkriegsspiel

Jungenköpfe noch verrückt.

 

Im November achtzehn war es,

Deutschlands alter Potentat

musste gehn, der Deutsche sollte

werden nun ein Demokrat.

 

Niederlagenfrust und Chaos

machten dies gar vielen schwer;

Inflation, Parteienstreit

förderten es auch nicht sehr.

 

Nach des Kaiserreiches Glanz

sehnten viele sich zurück,

sehnten sich nach starker Führung,

nach dem Untertanenglück.

 

Doch auch Fortschritt sah die Schule,

als Menzel-Schule jetzt bekannt,

durfte nun zum Abi führen,

Oberrealschule drum genannt.

 

Schulorchester, Lehrmittelfreiheit,

Frühstück und elektrisch Licht:

all das gab’s jetzt, und ein Bootshaus

gab dem Sport noch mehr Gewicht.

 

3. Auftritt – Drittes Reich

 

Böse Jahre, die jetzt kamen,

sollen nicht verschwiegen sein,

wie es üblich war in Deutschland

weit in Nachkriegszeiten rein.

 

Gleichgeschaltet, selbstverständlich,

ward auch das Kollegium

unsrer Schule; manche taten’s

gern, wie im Delirium.

 

Ein besonders strammer Lehrer,

der die Knaben drillt’ im Sport,

machte Druck, so dass fast alle

mussten rein in die HJ.

 

Vor den Toren dieses Hauses

macht’ nicht Halt die Barbarei;

im Dezember achtunddreißig

war die Schule judenfrei.

 

Nah’ in der Levetzowstraße

wurd’ das Bethaus ruiniert,

gut war auch von hier zu sehen,

wie man Juden deportiert.

 

Nach dem Tode noch verfolgte

seine Gegner das Regime;

einen Toten zu begraben

konnte deshalb sein sehr kühn.

 

Bomberschwärme hinterließen

Leichenberge, Asche, Schutt,

doch an unsrer Menzel-Schule

ging recht wenig nur kaputt.

 

Trotzdem fielen auch die Stunden

hier oft aus, bedingt durch Krieg;

ständig musst’ man reparieren,

und auch sammeln für den Sieg.

 

Während rings das Hansaviertel

niedersank im Feuersturm,

blieb fast heil die Menzel-Schule,

einsam ragend wie ein Turm.

 

4. Auftritt - Nachkriegszeit

 

Bald begann die Schule wieder

nach der Kapitulation;

Aufbau hieß es, auch an Freiheit

gab’s ’ne größere Portion.

 

Anfang hieß es, Aufbruch, Hoffnung,

alles strebt’ nach Neubeginn;

da die Stadt ein Trümmerhaufen,

zog der Aufbau sich doch hin.

 

Schule war kaum reparierbar,

Mangel herrschte überall;

Schüler froren um die Wette,

knapp war nicht nur Brennmaterial.

 

Vielen fehlt’ auch Orientierung,

wirksam war noch Nazi-Geist;

Schüler waren teils verwahrlost

und der Schule entwöhnt zumeist.

 

Als dann die Berliner Schule

wurde demokratisiert,

hat man auch gleich dies Gymnasium

ganz erheblich reformiert.

 

Mädchen wurden zugelassen;

humanistisch-elitär

und ganz exklusiv für Jungen

war dies Institut nicht mehr.

 

Als den Ostberliner Schülern

Schulbesuch im Westen ward

von der SED verboten,

traf’s die Menzelschule hart.

 

Der Direktor namens Müller

war ’ne Weile suspendiert,

weil er, seine Schule zu retten,